Vernetzte Gesundheit

Interreg Baltic Sea Region

Vernetzte Gesundheit

Der demografische Wandel, immer mehr chronisch erkrankte Menschen und eine sinkende Anzahl von Ärzten vor allem in den ländlichen Regionen stellen das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Ein wichtiger Schlüssel zu einer besseren Patientenversorgung ist das Thema eHealth. 2007 schlossen sich Partner aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Lettland und Schweden zu dem transnationalen Netzwerk „eHealth for Regions“ zusammen, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich zu fördern.

„Vorangegangen ist unserem Netzwerk ein gleichnamiges, dreijähriges Projekt, das über das Programm Interreg Baltic Sea Region unter Verwaltung der IB.SH gefördert wurde“, erzählt Professor Roland Trill, Leiter des Instituts für eHealth und Management im Gesundheitswesen an der Hochschule Flensburg. Hier liegt gleichzeitig auch die Leitung des Netzwerkes. Eine Aufgabe, für die die Hochschule prädestiniert ist, denn ebenfalls 2007 startete hier der deutschlandweit erste und bislang einzige Masterstudiengang eHealth. Die Finanzierung stemmen die Netzwerkpartner seither eigenständig. Mit ihrer Arbeit wollen sie vor allem die Gesundheitskompetenz der Menschen verbessern und den Markt für entsprechende Anwendungen öffnen.

Drei Projekte sind bislang aus dem Netzwerk hervorgegangen. Unter dem Titel „ICT for Health“ drehte sich von 2010 bis 2012 alles um die Entwicklung innovativer Lösungen für Menschen mit chronischen Erkrankungen. „Der Schwerpunkt lag dabei auf Patienten mit einer Herzinsuffizienz“, erläutert Trill. Wichtiger Bestandteil war eine Gesundheitsakte, die die Betroffenen selber führen konnten. „Die Patienten führten eigenständig EKGs durch, dokumentierten ihr Gewicht und den Blutdruck. Mittels Bluetooth wurden die Werte in die Akte eingepflegt und an den behandelnden Arzt weitergeleitet.“ Für die Patienten bedeute dies angesichts langer Wartezeiten in den Praxen eine erhebliche Zeitersparnis, die dann für Online-Arztgespräche zur Verfügung steht. Das Projekt war so erfolgreich, dass daraus ein Bachelorkurs sowie ein Modul für einen Masterkurs an der Flensburger Hochschule hervorgingen.

Das zweite Projekt, „Primcare IT“, richtete sich direkt an die Ärzte. Wie bekommt man junge Mediziner in ländliche Regionen? Was lässt sie davor zurückschrecken, sich dort niederzulassen? Das waren zunächst die grundlegenden Fragen. „Junge Nachwuchsmediziner haben Angst, auf dem Dorf den Anschluss an den medizinischen Fortschritt zu verlieren“, erzählt Trill. In der Folge entwickelten er und seine Partner ein System, das es den Ärzten ermöglichte, sich für Coachings und Beratungen online zusammenzuschließen.

Aktuell arbeiten die Partner an dem Projekt „BaltCityPrevention“, das die Gesundheitskompetenz von Jugendlichen im Blick hat. „Hier geht es vor allem darum, das Gesundheitsbewusstsein der jungen Leute zu steigern. Da man diese Zielgruppe besonders gut über das Internet erreicht, ist eHealth hier genau der richtige Weg.“

Die an eHealth Beteiligten haben sich durch jahrelange Interreg-Kooperation rund um die Ostsee Wissen und neue Kompetenzen angeeignet, das sie in ihrer Region nun einsetzen können. Das von der IB.SH verwaltete Programm Interreg Baltic Sea Region fördert darüber hinaus den Erfahrungsaustausch und damit einen verstärkten Zusammenhalt der Ostseeanrainer. Für die Zukunft von eHealth wünscht sich Trill, dass sich alle Länder im Ostseeraum dem Netzwerk anschließen, und vor allem in Deutschland hofft er auf eine stärkere Akzeptanz gegenüber dem Thema eHealth: „Hierzulande findet noch viel zu wenig Austausch von Informationen und Daten zwischen den behandelnden Ärzten eines Patienten statt. In Skandinavien gibt es seit Jahren lebenslange elektronische Patientenakten, die genau das ermöglichen. Dem steht in Deutschland aktuell noch der Datenschutz im Weg. Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten hier ein Stück weit ihre Scheu verlieren und sich diesem wichtigen Fortschritt für die Patienten öffnen."

(Stand 2018)

Der digitale Wandel betrifft alle Lebensbereiche, auch den Kontakt zwischen Patient und Arzt. Wo der Mediziner praktiziert, wird dank der digitalen Vernetzung zunehmend an Bedeutung verlieren.
„Noch während der Förderphase beschlossen wir, das Projekt fortzusetzen. Wir sind überzeugt davon, dass eHealth eine große Chance für das Gesundheitswesen aller Industrieländer darstellt.“
Roland Trill, Leiter des Instituts für eHealth und Management im Gesundheitswesen an der Hochschule Flensburg

Kontakt

Interreg Baltic Sea Region

Verwaltungsbehörde (MA) / Programmsekretariat (JS), Grubenstraße 20, 18055 Rostock

0381 45484-5281

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