Gemeinsam für die gute Sache

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Gemeinsam für die gute Sache

Das EU-Projekt cities.multimodal fördert in neun Ostsee-Anrainerländern die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel.

Stoßstange an Stoßstange an Stoßstange schleichen PKW und LKW über die Straße. Gelegentlich zuckeln sie ein paar Meter vorwärts, dann kommt der Verkehr wieder minutenlang zum Erliegen. Und während die Räder fast stillstehen, könnten manche Fahrerinnen und Fahrer hinterm Lenkrad ob des Schneckentempos durchdrehen. Solche Szenen gehören zum Alltag in fast allen größeren Städten – dabei ließen sich die meisten Wege auch nerven­ und umweltschonender zurücklegen: etwa mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Doch die Zahl der Autos steigt immer weiter. Allein in Schleswig­-Holstein kamen im Jahr 2018 mehr als 1,6 Millionen Pkw auf rund 2,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.

Dass in der Ostseeregion künftig mehr Menschen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen, ist das Ziel von cities. multimodal. Dieses Projekt, an dem Partner aus neun Ostsee-­Anrainerländern beteiligt sind, wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Interreg Baltic Sea Region mit knapp 2,9 Millionen Euro aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt. Im Auftrag der Ostseeanrainer und der Europäischen Kommission ist die IB.SH für die Mittelverwaltung des Interreg­-Baltic-­Sea- Region-Programms verantwortlich und stellt die Programmsekretariate in Rostock und Riga.

Städte sollen attraktiver werden

Einer der insgesamt 16 Projektpartner ist der Allgemeine Deutsche Fahrrad­-Club (ADFC) Schleswig-­Holstein. Er erhält im Rahmen von cities.multimodal Fördermittel in Höhe von rund 120.000 Euro, um das Thema umweltfreundliche Mobilität voranzutreiben. „Wir wollen mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen darauf aufmerksam machen, dass unsere Städte viel attraktiver wären, wenn nicht so viele Autos in ihnen herumfahren und ­stehen würden“, sagt Thomas Möller, Vorsitzender des ADFC Schleswig­-Holstein. Der Verein organisiert unter anderem verschiedene Veranstaltungen zum sogenannten „Parking Day“. Bei dem Aktionstag werden alljährlich im September Parkplätze im öffentlichen Raum für einige Stunden umfunktioniert, beispielsweise zu Pflanzeninseln, Sitzbereichen oder Fahrradabstellflächen. Außerdem testet der ADFC Schleswig-­Holstein im Zuge von cities.multimodal, wie die Zahl von  „Elterntaxis“, die Kinder morgens mit dem Auto bis unmittelbar vor die Schule bringen, zugunsten von Fahrradverkehr reduziert werden kann. Durch Projekttage sollen Eltern überzeugt werden und Kinder die Freude am Radfahren entdecken.

Lebensraum statt Parkraum: Weniger Autos sorgen nicht nur für bessere Luft, sondern auch für mehr Freiräume in der Stadt. | Illustrationen: Alina Sawallisch
Rad statt Auto: Unter anderem ausleihbare Lastenräder sollen die Menschen zum Verzicht aufs Auto bewegen. | Illustrationen: Alina Sawallisch

In Mecklenburg­-Vorpommern fördert cities.multimodal Maßnahmen, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpfen und den Verzicht aufs eigene Auto erleichtern. So sollen im Rostocker Stadtteil Kröpeliner-­Tor-­Vorstadt multimodale Mobilitätspunkte entstehen, an denen Menschen unkompliziert Lastenräder und Carsharing-Autos ausleihen können. Die Zahl der Fahrzeuge auf Straßen und Parkflächen soll dadurch gesenkt werden, denn Experten schätzen, dass sich durch ein einziges Carsharing-­Auto bis zu zehn private Pkw ersetzen lassen. Luftpumpen für Fahrräder, Ladesäulen für E­-Autos und Schließfächer werden ebenfalls bereitgestellt.

Ganz Europa profitiert

Über den aktuellen Stand des Projekts, das seit 2017 und noch bis Ende 2020 läuft, tauschen sich die beteiligten Partner regelmäßig bei Workshops aus. „Es ist jedes Mal unheimlich inspirierend zu sehen, welche Ideen in anderen Ländern entwickelt werden, wo andere Kulturen oder andere gesetzliche Vorgaben existieren“, sagt Thomas Möller vom ADFC Schleswig­-Holstein. „cities.multimodal motiviert uns, immer weiterzugehen.“ Von den Lösungen, die Möller und seine Kolleginnen und Kollegen entwickeln, und den Erfahrungen, die sie bei cities.multimodal sammeln, sollen später auch Städte und Regionen in anderen Teilen Europas profitieren. Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Aktivitäten werden deshalb – zusammengefasst und angereichert mit Tipps und Best-­Practice-­Beispielen – unter anderem in einem Handbuch für Verkehrs­- und Mobilitätsplaner veröffentlicht. 

(Stand 2019)

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