
Finanzierte Emissionen: Der Blick über den eigenen CO₂-Fußabdruck hinaus
IB.SH-Fachwissen | 01.09.2026 | Redaktionell verantwortlich: Patrick Woletz
Die IB.SH hat erstmals die finanzierten Emissionen ihres Kredit- und Anlageportfolios bilanziert. Die Bilanz schafft Transparenz über die Emissionsstruktur des Portfolios und bildet eine wichtige Grundlage, um Entwicklungen nachzuvollziehen sowie Klimarisiken und Transformationspotenziale künftig besser zu verstehen.
Den Energieverbrauch unserer Gebäude und die Emissionen aus Dienstreisen erfassen wir bereits seit Jahren. Für eine Förderbank liegt der größte Einfluss auf das Klima jedoch nicht im eigenen Geschäftsbetrieb, sondern in den Projekten, Objekten und Unternehmen, die sie finanziert. Deshalb haben wir zum 31. Dezember 2025 erstmals die finanzierten Treibhausgasemissionen unseres Kredit- und Anlageportfolios bilanziert. Diese Bilanzierung ergänzt die Erfassung der betrieblichen Emissionen und schafft eine belastbare Ausgangsbasis für künftige Vergleiche. Nur wer weiß, wo Emissionen entstehen, kann Maßnahmen zur Verringerung entwickeln.
Was sind finanzierte Emissionen?
Finanzierte Emissionen sind Treibhausgasemissionen, die einem Finanzinstitut aufgrund seiner Finanzierungen und Investitionen anteilig zugerechnet werden. Die Zuordnung erfolgt nach dem internationalen Standard der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) und orientiert sich grundsätzlich am jeweiligen Finanzierungsanteil.

Was die Bilanzierung zeigt – und was nicht
Die Bilanzierung schafft Transparenz darüber, welche Emissionen unserem Portfolio nach dem PCAF-Standard rechnerisch zugerechnet werden. Sie bewertet jedoch nicht die Klimawirkung einzelner Finanzierungen. Ob ein gefördertes Vorhaben Emissionen vermeidet oder reduziert, lässt sich daraus allein nicht ableiten und erfordert zusätzliche Analysen.
So wurde gerechnet
Für die Bilanzierung wurden alle bilanzwirksamen Unternehmens- und Projektfinanzierungen, Wohn- und Gewerbeimmobilienfinanzierungen, bestimmte Wertpapieranlagen sowie Staatsanleihen berücksichtigt, soweit sie vom PCAF-Standard abgedeckt sind. Beispielsweise Kommunalfinanzierungen wurden bislang nicht einbezogen, da der verwendete PCAF-Standard hierfür noch keine Bilanzierungsvorgaben enthält.
Die Berechnung folgt grundsätzlich vier Schritten: Relevante Vertrags- und Portfoliodaten werden erfasst, die Finanzierung einer PCAF-Assetklasse zugeordnet, passende Emissionsdaten ergänzt und anschließend der auf die IB.SH entfallende Anteil berechnet. Je nach Assetklasse werden unterschiedliche Regeln und Datenquellen angewendet.

Datenqualität als zentrale Herausforderung
Nicht für alle Finanzierungen liegen vollständige Primärdaten vor – insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie für Immobilienfinanzierungen. In diesen Fällen kommen anerkannte externe Schätzwerte zum Einsatz. Verwendet werden unter anderem Gebäudedaten der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. (ARGE) und von PCAF, Emissionsintensitäten von MSCI, Unternehmensdaten von ISS ESG sowie Daten aus der EDGAR-Datenbank.
Für jede Finanzierung wird ein PCAF-Datenqualitätsscore von 1 bis 5 vergeben, wobei 1 für die höchste und 5 für die niedrigste Datenqualität steht. Ein hoher Datenqualitätsscore bedeutet nicht, dass die Berechnung falsch ist. Er zeigt lediglich, dass stärker mit Schätzungen oder Durchschnittswerten gearbeitet wurde.
Ergebnis und Nutzen der Bilanzierung
Für das einbezogene Portfolio wurden zum Stichtag 31. Dezember 2025 rund 2,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr ermittelt. Dies entspricht einer Emissionsintensität von ca. 150,7 tCO2 je finanzierter Mio. €. Die Bilanzierung bildet die Grundlage, um die Emissionsstruktur unseres Förder- und Anlageportfolios systematisch zu erfassen und ihre Entwicklung über die Zeit nachvollziehen zu können. Mit einer kontinuierlich verbesserten Datengrundlage gewinnen wir ein immer klareres Bild über die mit unserem Portfolio verbundenen Emissionen. So schaffen wir eine belastbare Basis, um Klimarisiken und Transformationspotenziale besser zu verstehen.
Die Bilanzierung, das Datenmodell und das fachliche Umsetzungskonzept wurden nach ISO 14064-3 verifiziert. Weitere Informationen zu Methodik, Systemgrenzen und Ergebnissen finden Sie im Nachhaltigkeitsbericht 2025 ab Seite 45.
Ergebnis finanzierte Emissionen
PCAF-Assetklasse | Bilanzierte Assets (TEUR) | Scope-1- und Scope-2- Emissionen (tCO2e) | Scope-3- Emissionen (tCO2e) | Gesamte THG-Emissionen (tCO2e) |
Börsennotierte Aktien und Anleihen | 2.227.900,00 | 2.440,02 | 663.349,25 | 665.789,28 |
Unternehmensfinanzierungen | 5.716.828,94 | 103.288,56 | 1.282.132,48 | 1.385.421,04 |
Projektfinanzierungen | 377.509,05 | 134.988,03 | 76.352,40 | 211.340,43 |
Hypothekendarlehen | 4.175.123,48 | 60.832,61 | 0,00 | 60.832,61 |
Gewerbliche Immobilienfinanzierungen | 3.219.801,53 | 27.275,70 | 24.653,75 | 51.929,45 |
Staatsanleihen | 130.000,00 | 13.615,43 | 0,00 | 13.615,43 |
Gesamt | 15.847.163,00 | 342.440,37 | 2.046.487,87 | 2.388.928,24 |
Weiterentwicklung und Ausbau unserer Bilanzierung
Der PCAF-Standard entwickelt sich kontinuierlich weiter. Mit der im Dezember veröffentlichten Aktualisierung liegen erstmals Bilanzierungsmethoden unter anderem für Kommunalfinanzierungen und Bundeslandanleihen vor. Die Integration dieser neuen Bilanzierungsvorgaben ist für das Berichtsjahr 2026 vorgesehen. Mit der Umsetzung wird die Abdeckung unseres Portfolios nochmals deutlich erweitert.


