Das Lebenszyklusmodell

In der Praxis des öffentlichen Hochbaus hat sich zur Umsetzung des Lebenszyklusansatzes die gebündelte Übertragung von Planung, Bau, Gebäudemanagement und gegebenenfalls Finanzierung über einen Zeitraum zwischen circa 15 und 30 Jahren etabliert. Diese Beschaffungsvariante wird als Lebenszyklusmodell oder auch Öffentlich-Private Partnerschaft bezeichnet.  


Das Lebenszyklusmodell

Das Lebenszyklusmodell (LZM) beziehungsweise die Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) kann folgendermaßen definiert werden (gem. Gutachten PPP im öffentlichen Hochbau, BMVBS, 2003):

Eine langfristige, vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft zur wirtschaftlichen Erfüllung öffentlicher Aufgaben, bei der die erforderlichen Ressourcen (z. B. Know-how, Betriebsmittel, Kapital, Personal) in einen gemeinsamen Organisationszusammenhang eingestellt und vorhandene Projektrisiken entsprechend der Risikomanagementkompetenz der Projektpartner angemessen verteilt werden.

Überwiegend kommt das sogenannte Inhabermodell zum Einsatz, bei dem das Grundeigentum beim öffentlichen Auftraggeber liegt und bleibt. Mit der Bündelung von Leistungen im Lebenszyklus wird die Gesamtverantwortung für den dauerhaften Erhalt für ein oder mehrere Gebäude an einen Auftragnehmer übertragen. Damit übernimmt dieser einen Teil der konventionell typischen Bauherrenaufgaben und für den Auftraggeber entfällt eine ganze Reihe von Schnittstellen.

Die Bündelung der Leistungen, deren Abhängigkeiten und die Langfristigkeit des Projektvertrages erhöhen die Komplexität in der Beschaffungsphase. Der Auftrag sollte möglichst so umfassend und klar beschrieben werden, dass bei der Ausführungsplanung und später beim Bau keine wesentlichen Änderungen mehr erforderlich werden. Das erfordert auch eine frühzeitige Abstimmung mit Beteiligten und Betroffenen.

Das Leistungspaket wird aufgrund seines Umfangs in der Regel europaweit ausgelobt und nach Abschluss des Wettbewerbs auf einzelvertraglicher Basis von einem privaten Partner übernommen. Grundlage ist eine möglichst weitgehend funktionale Leistungsbeschreibung. Hierdurch werden Spielräume in der Ausgestaltung technischer und konzeptioneller Lösungsvarianten ermöglicht. Der Entwurf entsteht gemeinsam mit der verbindlichen Preiskalkulation im Wettbewerb. Der Wettbewerb erfolgt oftmals in mehrstufigen Verfahren, um Entwürfe zu optimieren und vertragliche Regelungen zu verhandeln. Durch optimale Gewichtung von Preis und qualitativen Zuschlagskriterien, z. B. Architektur, Städtebau sowie Material- und Servicequalitäten, kann ein in jeder Hinsicht ausgewogenes Wettbewerbsergebnis erzielt werden.

Das zeichnet das Lebenszyklusmodell aus: 

  • Umfassende Leistung aus einer Hand
  • Realisierung im Lebenszyklusansatz – Langfristige vertragliche Bindung
  • Dauerhafter Werterhalt und Verfügbarkeit durch messbare Service Levels
  • Wirtschaftlichkeitsbezug – Effizienz
  • Risikotransfer – Reduzierung von Schnittstellen
  • Integrierter Planungs- und Vergabewettbewerb
  • Funktionale Leistungsbeschreibungen
  • Modellvielfalt – kein bloßes Finanzierungsmodell

Verbreitung des Lebenszyklusmodells in Schleswig-Holstein

Neubau Gymnasium Schwarzenbek

  • Investitionsvolumen 20 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Projektfinanzierung

 

Neubau Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek

  • Investitionsvolumen 21 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Eigenfinanzierung der Gemeinde

 

Neubau Kinderzentrum Wentorf

  • Grundschule mit Sporthalle, Aula, Cafeteria, sowie Kindertagesstätte mit angeschlossener Krippe
  • Investitionsvolumen 14 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Eigenfinanzierung der Gemeinde

Neubau Inselschule Burg auf Fehmarn

  • Investitionsvolumen 12 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Forfaitierung mit Einredeverzicht

 

Neubau Grund- und Gemeinschaftsschule Halstenbek

  • Inhabermodell
  • Investitionsvolumen 13 Mio. EUR
  • Forfaitierung mit Einredeverzicht

 

Erweiterungsbau Universität Flensburg

  • Investitionsvolumen 11 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Forfaitierung mit Einredeverzicht

 

Neubau Mehrzweckhalle Mölln

  • Investitionsvolumen 3 Mio. EUR
  • Inhabermodell
  • Forfaitierung mit Einredeverzicht

 

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