Damit die Luft rein wird

Landesprogramm Wirtschaft

Damit die Luft rein wird

Zu sehen sein sollen sie meist nicht. Aber ihren Dienst tun, und das zuverlässig. Luftfilter kommen  an vielen Orten zum Einsatz und sind meist Bestandteil einer Lüftungsanlage. Gefragt sind sie dort,  wo sich Luft bewegt, chemische Reaktionen oder Reibung im Spiel ist. Denn dann fallen Staub- und Dreckpartikel an. Die haben in Restaurants oder großen Einkaufszentren, in Fertigungsstätten für Arzneimittel, in Laboratorien oder Operations- und Reinräumen ebenso wenig etwas zu suchen wie bei bestimmten Prozessen der Industrie oder auch in Hotelzimmern. Vor Staub müssen Geräte geschützt werden und Menschen. Wie viel erlaubt ist, bestimmen Hygienevorschriften oder Richtlinien für Feinstaub. Denn der ist besonders gesundheitsschädlich, weil er über die Luftröhre und die Bronchien bis tief in die Lunge vordringen kann. 

Auf die Entwicklung und Herstellung von Luftfiltern hat sich das Unternehmen HS Luftfilterbau in Kiel-Wellsee spezialisiert. Gegründet wurde es 1974 von Hans Schuldt. Der ausgebildete Kapitän zur See suchte während eines Urlaubs Ablenkung – „und ist in das Thema Luftfiltration hineingestolpert“, erzählt sein Sohn Malte Schuldt. Er leitet den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater und wird das Unternehmen in die Zukunft führen. Die ersten kleinen Filter wurden im Anbau am Wohnhaus der Familie in Flintbek entwickelt und hergestellt. Die erste große Halle bezog das Unternehmen 1980 – ebenfalls in Flintbek. 1994 folgte der Umzug nach Wellsee mit einer deutlichen Erweiterung der Produktionskapazitäten auf 6.500 Quadratmeter.

„Wir sind eine Hightech-Manufaktur und ein Global-Player“, sagt Malte Schuldt. Die Firma beliefert Kunden in Europa, Asien und in den USA mit rund 80.000 Produktvarianten – davon die meisten maßgeschneidert. Dazu gehören Fein- und Schwebstoffstaubfilter genauso wie Aktivkohle-, Öl- und Fettfangfilter sowie energiesparende Filter für Klimaanlagen. Und es gibt besonders sensible Bereiche. Zum Beispiel die Abluftfiltration bei Kernkraftwerken oder die sogenannten Reinräume in der mikroelektronischen oder pharmazeutischen Produktion.
 

Hans und Malte Schuldt (v. l.) studieren die Pläne für den Erweiterungsbau.
Bis zu zwei Jahre brauchen neue Mitarbeiter, um die Maschinen bedienen zu können.

Der Markt für Luftfilter ist ohne Zweifel groß. „Bei den meisten Industrieprozessen sind Luftfilter im Einsatz. Und das bedeutet für uns: Wir können auf breiter Spur wachsen“, so der Wirtschaftsingenieur, der mit seinem Unternehmen 2015 rund 11 Millionen Euro umgesetzt hat – Tendenz stark steigend.

Beim Gang durch die Produktion fällt der große Anteil an Handarbeit auf. Hier wird Papier geprägt und geleimt, werden Synthetikfasern verarbeitet, vernäht und geheftet. Es sind teilweise sehr aufwendige Prozesse, die viel Know-how erfordern – auch im Umgang mit der Technik. „Neue Mitarbeiter brauchen bis zu zwei Jahre, bis sie eine unserer großen Maschinen bedienen können“, so Malte Schuldt. Auch einen eigenen Messstand leistet sich der Betrieb in Wellsee. „Sensoren prüfen, ob ein bestimmter Abscheidegrad erreicht wird“, erklärt der Geschäftsführer. Laut Malte Schuldt gibt es weltweit keine zweite Anlage, auf der so viele Filtervarianten getestet werden können.„Um fit für die Zukunft zu werden  und wachsen zu können, brauchen wir allerdings dringend mehr Kapazität für die Produktion und auch für unser Lager“, sagt Malte Schuldt.

Bis Ende 2017 erweitert das Unternehmen daher seinen Standort in Kiel um mehr als 4.500 Quadratmeter. 5,3 Millionen Euro investiert HS Luftfilterbau in die Erweiterung. 795.000 Euro kommen über die IB.SH als Zuschuss aus dem Landesprogramm Wirtschaft. Es handelt sich um Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe  „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), die zu 50 Prozent vom Bund kofinanziert wird. Rund 50 neue Arbeitsplätze will das Unternehmen schaffen. Und den Umsatz mittelfristig verdoppeln. Noch wird in der Produktion im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. In Zukunft sollen die Luftfilter sogar in vier Schichten hergestellt werden. Und immer sind Malte Schuldt und seine Ingenieure dabei, innovative Produkte zu entwickeln. Derzeit tüfteln sie an einem Hochleistungspartikelfilter für Prozesstechnik und Havarieschutz bei Einsatztemperaturen bis 700 Grad.

Hat das Unternehmen ein großes Ziel für die Zukunft? „Wir wollen uns langfristig weltweit als herausragender Hersteller von Luftfiltern etablieren.“ Eine klare Aussage. So klar wie die Luft, die mit Filtrationslösungen aus Wellsee gereinigt wird.  

(Stand 2018)