Das Zeug zum Aufstieg

Aufstiegs-BAföG

Das Zeug zum Aufstieg

Sören Struck geht in die Hocke. „Na, meine Schöne“, sagt er und streichelt einem seiner Kälber über die Wange. Der 21-Jährige liebt den Umgang mit den jungen Rindern auf dem Hof seines Onkels in Haßmoor, „obwohl ich anfangs gar keine Lust auf Tiere hatte“, erzählt er und lacht. Eigentlich wollte er Elektriker werden, doch dann hat er seine Leidenschaft für Vierbeiner und die Arbeit auf dem Hof entdeckt und sich für eine Ausbildung zum Landwirt entschieden. Mit dem Abschluss in der Tasche bildet er sich zurzeit am Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal (BBZ) zum Agrarbetriebswirt fort.  Sein Ziel: nach erfolgreicher Fortbildung in Vollzeit als Landwirt zu arbeiten und in einigen Jahren den Hof seines Onkels ganz zu übernehmen. Dafür nimmt er die Doppelbelastung von anstrengender Hofarbeit auf der einen und herausforderndem Pauken auf der anderen Seite gerne in Kauf. 

Morgens um 5 Uhr klingelt sein Wecker, kurz darauf melkt er 200 Kühe und kümmert sich um anfallende Arbeiten auf dem 140 Hektar großen Hof. Anschließend fährt er ins BBZ, passt auf, dass er in sechs Fortbildungsstunden alles über Pflanzenbau, Tierhaltung und Betriebswirtschaft erfährt und sich mit seinem Praxiswissen im Unterricht einbringt, und ist um 16 Uhr wieder zurück in Haßmoor, um erneut zu melken. Am Abend stehen dann noch Hausaufgaben und das Vorbereiten auf Klausuren auf dem Programm.

Die Fortbildungsmaßnahme finanziert der junge Landwirt mit Hilfe des Aufstiegs-BAföGs. So heißt das vorherige Meister-BAföG seit einer Gesetzesnovelle im August 2016. Die Förderung, die in Schleswig- Holstein über die IB.SH erfolgt, besteht aus einem Zuschuss- und einem Darlehensteil. Mit der Reform wurde der Zuschussteil ebenso wie der Fördersatz erhöht, der Kreis der Förderfähigen erweitert. So können nun unter anderem auch Bachelorabsolventen, Abiturienten mit Berufspraxis sowie Studienabbrecher gefördert werden. Der neue Name drückt die große Bandbreite an Aufstiegsfortbildungsförderungen aus. Mit diesem Instrument fördert der Staat die Vorbereitung auf mehr als 700 verschiedene Fortbildungsabschlüsse aus allen Wirtschaftsbereichen. Es wird eben durchaus nicht nur die Fortbildung zum Handwerksmeister gefördert, sondern beispielsweise auch zum Fachwirt, Erzieher, Techniker oder Betriebswirt – wie im Falle von Landwirt Sören Struck, der sich zum Agrarbetriebswirt fortbildet. 

Mit großen braunen Augen erkunden die Kälbchen unter Sören Strucks Obhut die Welt ihres Stalls im schleswig-holsteinischen Haßmoor.
Die Erhöhung der Förderbeträge sowie die Erweiterung des geförderten Personenkreises haben dazu geführt, dass das Fördervolumen stark angestiegen ist. So bewilligte die IB.SH im Jahr 2016 – nach 14,7 Millionen Euro im Vorjahr – nunmehr 20 Millionen Euro.
Das neue Aufstiegs-BAföG unterstützt nicht nur die beiden Schüler am BBZ. Es leistet mit mehr als 4.800 Geförderten im Jahr einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fach- und Führungskräftenachwuchses für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft in Schleswig-Holstein.

Struck profitiert von der erhöhten Unterhaltsförderung. Er hat Anspruch auf monatlich maximal 768 Euro für Alleinstehende, wobei er sich nur den nicht zurückzahlbaren Zuschussanteil in Höhe von 333 Euro auszahlen lässt. Ohne diese Förderung könnte er sich die Aufstiegsfortbildung nicht leisten.

Das Besondere am BBZ: „Natürlich vermitteln wir an unserem Zentrum auch aktuelles und praxisnahes Wissen. Vielmehr noch aber geht es um das gemeinsame Erarbeiten von spezifischen Lösungen, um das Optimieren der Prozesse des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebs“, so Martin Maier-Walker, Abteilungsleiter des Bereichs Agrarwirtschaft am BBZ und Lehrer von Sören Struck. Und die Höfe sind so unterschiedlich wie die Herausforderungen. Während auf dem Hof in Haßmoor der Schwerpunkt auf der Milchviehhaltung liegt, sind es auf dem mehr als doppelt so großen Betrieb von Strucks Mitschüler Kevin Schwermer der Ackerbau, die Schweineaufzucht und -mast.

Der 26-Jährige arbeitet als Angestellter im Unternehmen und hat im Gegensatz zu seinem Mitschüler nicht vor, einmal den Hof zu leiten. Mit seiner Ausbildung am BBZ erhält Schwermer allerdings die Ausbildereignung. Diese ist für ihn ein wichtiger Ansporn: „Ich möchte später jungen Menschen etwas beibringen und dabei genau wissen, wovon ich rede“, sagt der angehende Agrarbetriebswirt. Bis zum Abschluss ihrer Fortbildungen stehen für beide noch vier schriftliche Prüfungen an. „Danach sind wir dann Tierärzte, Metallbauer, Landwirte und Ökonomen. Eigentlich können wir alles“, sagt Kevin Schwermer und schmunzelt.  

(Stand 2017)

„Dass es eine solche Förderung gibt, ist schon eine tolle Sache. Und die Zusammenarbeit mit der IB.SH: absolut unkompliziert und sehr angenehm.“
Martin Maier-Walker, Abteilungsleiter des Bereichs Agrarwirtschaft am BBZ