Schwimmen auf privaten Bahnen - Flensburg plant sein neues Hallenbad als ÖPP-Projekt
An den Decken und Wänden hinterlässt die Feuchtigkeit hässliche Spuren, und der etliche Male ausgebesserte Boden des 25-Meter-Beckens enthält mittlerweile alle denkbaren Hellbau-Töne. Schon ein flüchtiger Blick reicht, um den maroden Zustand des 1964 gebauten Flensburger Hallenbades zu erkennen. Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner ist besonders besorgt über die ersten Risse, die sich im Becken andeuten. „Hoffentlich hält das
Schwimmbad noch so lange, bis wir ein neues haben“, sagt Tscheuschner. Denn Flensburg braucht ein Schwimmbad. „Wir sind ein Oberzentrum mit sehr aktiven Vereinen, unsere Universität betreibt die Sportlehrerausbildung für das ganze Land – da brauchen wir ein richtiges Sportbad“, lässt der Verwaltungschef keinen Zweifel.
Das sehen die Kommunalpolitiker der Fördestadt genauso, obwohl die Stadt seit Jahren einen strikten Konsolidierungskurs durchhalten muss. Der Grundsatzbeschluss für einen Neubau ist gefasst und der Standort für das neue Bad auf dem UniCampus-Gelände ist festgelegt. Nun geht es darum, das Projekt auf wirtschaftlichste Weise umzusetzen. Wirtschaftlich kann für Tscheuschner auch gemeinsam mit der Wirtschaft bedeuten. Zusammen mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein hat die Stadt eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für den Bau und Betrieb des neuen Bades als ÖPP-Projekt durchgeführt. Das Ergebnis ist positiv und in den kommenden Monaten wird für das Investitionsvolumen von 9,1 Millionen Euro umfassende Projekt ein Investor gesucht, der das neue Bad baut und unterhält und zum Beispiel auch das Personal wie die Bademeister stellt. Tscheuschner ist dabei offen für die Ausgestaltung des Bades: „Der Markt soll sagen, wie er das Bad attraktiv machen will. Und wir prüfen dann, ob das mit unseren Interessen vereinbar ist“, sagt er. So wäre etwa eine Gastronomie am Bad denkbar oder ein Ärztehaus. Auch über die Länge der Bahnen ließe sich reden, ebenso über eine Zusatznutzung des Bades durch den Investor. „Wichtig ist für uns, dass das Risiko überschaubar und die Kosten planbar sind“, erklärt der Oberbürgermeister. Bislang schießt die Stadt jährlich 600.000 Euro zum Betrieb des Hallenbades zu. Das soll möglichst auch in Zukunft die Größenordnung bleiben. Wobei der Verwaltungschef durchaus weiß, dass in den vergangenen Jahren zu wenig Geld in das Bad investiert wurde.
Überschaubares Risiko und planbare Kosten – bei des sieht Tscheuschner in einem ÖPP-Projekt am besten gewähr leistet. Und so hofft er, dass seine Stadt einen passen den privaten Partner findet und so in absehbarer Zeit wieder ein vorzeigbares Hallenbad hat. „Flensburg hat einfach ein besseres Hallenbad als jetzt verdient“, wiederholt Tscheuschner. Das steht fest.
Projektdaten
| Projektbeschreibung | Neubau und Betrieb Hallenbad Flensburg auf dem Campus-Gelände (Sport- und Lehrschwimmen, Individualnutzer, Sauna) |
| Sektor | Sport- und Freizeitanlagen |
| Leistungsumfang | Planen, Bau, Finanzierung, Gebäudemanagement, spez. Schwimmbaddienstleistungen (Schwimmmeister ggf. Personalübernahmen, Marketing) |
| Projektzeitraum | 25 Jahre |
| Investitionsvolumen | Knapp zehn Mio. Euro |
| Auftraggeber | Stadt Flensburg |
| Oberbürgermeister | Klaus Tscheuschner Ansprechpartner Herr Parthie |
Foto: © Marcus Dewanger


