ÖPP für die Kleinen - Henstedt-Ulzburg will neue Grundschule mit privatem Partner bauen
Henstedt-Ulzburg ist eine ungewöhnliche Gemeinde. Mit 26.000 Einwohnern ist die weitläufige Gemeinde mit vier Ortsteilen vor den Toren Hamburgs größer als viele Städte im Land. Und Henstedt-Ulzburg wächst ständig weiter. Besonders im Ortsteil Ulzburg-Süd kamen in den letzten Jahren 4000 Einwohner dazu – viele davon schulpflichtige Kinder. „Wir haben 220–250 Kinder pro Jahrgang“, sagt Bürgermeister Volker Dornquast. Die vorhandenen drei Grundschulen werden zum Teil schon sechszügig betrieben und stoßen schon lange an ihre Grenzen. Im boomenden Ortsteil Ulzburg-Süd gibt es bislang aber keine Schule. Diesen Zustand wollten die Kommunalpolitiker schon lange ändern, doch es fehlte immer das nötige Geld. „Wegen der schlechten Einkommenslage der letzten Jahre mussten wir den Bau einer weiteren Grundschule mit Sporthalle und Hort trotz der Notwendigkeiten immer wieder verschieben“, erzählt Dornquast. Große Investitionen bei schwachen Einnahmen – das verbot sich für den Verwaltungschef. Deshalb dachte er schließlich über Alternativen nach – zum Beispiel an eine Öffentlich Private Partnerschaft. Denn bei diesem Modell werden die hohen Investitionskosten auf den gesamten Betriebszeitraum verteilt. „Wir gehen gern neue Wege“, sagt Volker Dornquast, der in finanziellen Dingen ohne Scheu auch neue Chancen ergreift, wenn sie zu einem günstigsten Ergebnis führen. So verkaufte die Gemeinde bereits ihre Straßenlaternen und die Heizungen in allen öffentlichen Gebäuden an private Unternehmen. „Man muss Sachen ausprobieren und nach einiger Zeit überprüfen, ob es sich gelohnt hat“, sieht der Bürgermeister das ganz pragmatisch.
Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Investitionsbank Schleswig-Holstein ergaben, dass auch das relativ kleine Schulprojekt (5,5 Millionen Investitionen plus Betriebskosten) wirtschaftlich als ÖPP-Projekt möglich ist. Der private Partner soll eine dreizügige Grundschule mit Turnhalle als Passivhaus und Kunstrasensportfeld sowie angeschlossenem Hort bauen und für 25 Jahre betreiben. Das Ausschreibungsverfahren verlief erfolgreich, ein privater Partner ist gefunden. „Klar war für uns, dass das Angebot wirtschaftlicher sein musste als eine Generalunternehmer-Lösung“, sagt Dornquast. ÖPP machen, nur weil es modern ist, kam für ihn nicht in Frage. Jetzt geht der Bau noch im Herbst 2007 los. „Wenn alles klappt, können wir im Schuljahr 2008/09 die neue Schule in Betrieb nehmen“, hofft der Bürgermeister.
Gelohnt hat sich die ÖPP-Planung für den Verwaltungschef schon jetzt. „Man muss so einen Schulbau viel intensiver vorbereiten als bei einer herkömmlichen Umsetzung“, sagt er. Die ÖPP-Wirtschaftlichkeitsberechnung zwingt dazu, alle Kosten einzubeziehen und sich bereits im Vorfeld bis ins letzte Detail Gedanken zu machen, z.B. über die Mitnutzung der Anlage durch Vereine. Bei normaler Finanzierung wird dagegen manches später teure Detail vernachlässigt. Das Beispiel der Grundschule Ulzburg-Süd zeigt, dass das Geschäft mit privatem Partner nicht nur etwas für Projekte über 10 Millionen Euro ist. Auch bei kleineren Investitionen lohnt sich ein Vergleich.
Projektdaten
| Projektbeschreibung | Neubau Grundschule Ulzburg-Süd |
| Sektor | Schulbau |
| Leistungsumfang | Planung, Neubau, Finanzierung und Gebäudemanagement |
| Projektdauer | Voraussichtlich 25 Jahre |
| Investitionsvolumen | Ca. 5,5 Mio. EUR |
| Auftraggeber | Gemeinde Henstedt-Ulzburg |
| Ansprechpartner | Bürgermeister Volker Dornquast Barbara Kutzner |
Foto: © Marcus Dewanger


