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17.02.2010

Wirtschaftsminister de Jager stellt erste Weiche zur Mittelstandsoffensive: Förderbanken helfen gesunden Firmen binnen 20 Tagen "aus der Klemme"

KIEL. Kleinen und mittelständischen Unternehmen, deren Kreditversorgung durch die Folgen der Finanzkrise ins Stocken zu geraten droht, soll künftig noch schneller und unbürokratischer geholfen werden. Wie Wirtschaftsminister Jost de Jager heute (17. Februar) gemeinsam mit Vertretern von Investitionsbank (IB), Bürgschaftsbank (BB) und Mittelständischer Beteiligungsgesellschaft (MBG) erläuterte, erhalten Betriebe im Rahmen der Mittelstandsoffensive des Landes ab sofort einen leichteren Zugang zu öffentlichen Krediten, Bürgschaften und Beteiligungen. Um den Hausbanken der Firmen darüber hinaus direkte Ansprechpartner zu bieten, werden zwei Finanzierungskoordinatoren eingesetzt. "Damit machen wir durch vereinheitliche Verfahren nicht nur die Genehmigungswege schlanker. Die Förderinstitute haben mir zudem zugesichert, innerhalb von 20 Arbeitstagen nach Vorlage aller Unterlagen ihre Entscheidungen zu treffen", so de Jager. Voraussetzung sei eine ausreichende Eigenkapitalbasis der Firmen. Darüber hinaus kündigte der Minister an, dass noch in diesem Jahr das erfolgreiche Förderprogramm "Kapital für Handwerk" auch auf das Gewerbe und den Handel ausgedehnt werden soll.

 

Die neue "SH-Finanzierungsinitiative für Stabilität und Wachstum" der Förder-Institute sieht nach den Worten von de Jager vor, dass die Hausbanken Ansprechpartner der Betriebe bleiben. In Problemfällen schalten sich die beiden Finanzierungs-Koordinatoren als Vermittler ein. Für Kredit-Anträge bis zu 800.000 Euro ist MBG-Geschäftsführer Dr. Gerd-Rüdiger Steffen zuständig, für die Anträge zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Euro Monika Evert von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (Details siehe hier).

 

Mit Blick auf das Krisenjahr 2009 sprach de Jager aus Sicht der Förderbanken von einem "Rekordjahr", in dem die guten Ergebnisse aus 2008 nochmals deutlich übertroffen worden seien. "Dank unserer Institute und ihrer Förderinstrumente konnten wir einen erheblichen Beitrag zur Sicherstellung der Kredit- und Beteiligungskapitalversorgung der mittelständischen Wirtschaft in Schleswig-Holstein leisten", sagte er. Von einer Kreditklemme könne nach wie vor keine Rede sein, auch wenn sich die Situation von Branche zu Branche und von Region zu Region sehr unterschiedlich darstelle.

 

Insgesamt seien im vergangenen Jahr 1.056 Unternehmen (+ 13 %) mit einem öffentlichen Fördervolumen von rund 387 Millionen Euro (+ 23 %) unterstützt und damit über 36.000 Arbeitsplätze (+ 40 %) geschaffen und gesichert worden. Mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung hätten schleswig-holsteinische Unternehmen zudem rund 1,4 Milliarden Euro investiert (+ 50 %). Davon seien allein über 300 Millionen Euro Unternehmensinvestitionen durch die so genannte betriebliche Investitionsförderung angeschoben worden, etwa 100 Millionen Euro mehr als 2008. "Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die Investitionsbereitschaft der schleswig-holsteinischen Unternehmen und können als ein gutes Zeichen für einen nachhaltigen Aufschwung gewertet werden", so de Jager.

 

Nach den Worten von IB-Vorstand Lutz Koopmann würden Banken und Sparkassen im Zuge der Finanzmarktkrise weitaus häufiger und früher Risikopartner suchen. Bei der IB habe diese Entwicklung zu einem erheblichen Anstieg des Konsortialgeschäfts geführt. "Mit dieser Risikoteilung leistet die IB einen wesentlichen Beitrag zur Kreditversorgung des Mittelstandes", so Koopmann. Auch die Angebote "Starthilfe SH" und "IB.KMUdirekt" seien deutlich stärker nachgefragt worden. Das Kreditneugeschäft der IB habe 2009 mit einem Volumen von 252 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 27 Prozent erreicht. Wie bereits 2008 lag der Branchenschwerpunkt beim verarbeitenden Gewerbe. Auch die Zuschüsse stiegen: Insgesamt erhielten 318 Projekte 117 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Weiterleitung von Programmkrediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie durch die Vergabe von Refinanzierungsmitteln an Banken und Sparkassen weitere 637 Millionen Euro für Unternehmenskredite bereit gestellt. Hierdurch wurde das Rekordergebnis des Vorjahres nochmals um acht Prozent überschritten. Verstärkt nachgefragt waren nach den Worten von Koopmann auch die kostenlosen Beratungen der IB. Insgesamt konnte im Rahmen der Angebote IB.Förderlotse und IB.GründerinnenBeratung rund 2.500 Beratungssuchenden geholfen werden (+ 8 %). "Unsere Wirtschaftsförderinstrumente haben sich in der Krise bewährt. Als Dritter im Bunde mit Unternehmen und Hausbanken konnten wir erfolgreich dazu beitragen, eine Kreditklemme in Schleswig-Holstein zu vermeiden", so Koopmann.

 

Auch die Bürgschaftsbank war mit 1.050 Anträgen und 736 geförderten Unternehmen so stark gefragt wie noch nie: "Gerade in schwierigen Zeiten verfügten Mittelständler nicht über ausreichende Sicherheiten, um dringend benötigte Kredite zu erhalten, hier konnten wir wirkungsvoll helfen", sagte Geschäftsführer Hans-Peter Petersen. Insgesamt habe sich das Neugeschäft um elf Prozent auf 83 Millionen Euro erhöht. Auch die Unterstützung von Existenzgründern habe in der Krise wieder zugenommen und betragsmäßig einen Zuwachs von 20 Prozent erfahren. Dabei wurden sogar annähernd 50 Prozent mehr Neugründungen als im Vorjahr unterstützt. Insgesamt habe die Bürgschaftsbank 204 Existenzgründer mit einem Bürgschaftsvolumen von 24 Millionen Euro unterstützt. Am stärksten seien Bürgschaften aber von der Industrie nachgefragt worden. "Die Anzahl der begleiteten Betriebe stieg um 53 Prozent. Unser Bürgschaftsvolumen konnten wir in diesem Segment sogar auf fast 17 Millionen Euro verdoppeln", so Petersen. Im Vordergrund hätten Modernisierungsinvestitionen gestanden, um die Marktposition zu festigen oder auszubauen. Von der Bürgschaftsbank begleitete Finanzierungen seien vielfach zur Optimierung von Betriebs- und Produktionsabläufen eingesetzt worden, um die Betriebe für den Aufschwung fit zu machen.

 

Nach den Worten von MBG-Geschäftsführer Dr. Gerd-Rüdiger Steffen habe sein Institut auf die Finanz- und Wirtschaftskrise mit einer nochmaligen Steigerung der Förderaktivitäten reagiert. So habe die MBG in 2009 für 113 Unternehmen (+ 30 %) ein Beteiligungsvolumen von 20,5 Millionen Euro (+ 5 %) bewilligt. Damit seien 7.656 Arbeitsplätze gefördert worden – doppelt so viel wie 2008. Durch das starke Neugeschäft sei das Beteiligungsportfolio der MBG seit 2005 um 82 Prozent auf rund 97 Millionen Euro angewachsen. "Dahinter verbergen sich über 500 Beteiligungen an rund 350 Unternehmen in Schleswig-Holstein", erklärte Steffen. In diesem Zusammenhang wies auch Steffen darauf hin, dass sich das 2009 gemeinsam mit der Bürgschaftsbank aufgelegte Programm "Kapital für Handwerk" sehr erfolgreich entwickelt habe und man 23 Betrieben helfen konnte, sich stabiler und krisenfester aufzustellen. "Die MBG hat 2009 offenbar die richtigen Antworten auf die Krise gefunden."

 

 

Harald Haase, Wirtschaftsministerium, Hans-Peter Petersen, Bürgschaftsbank, Lutz Koopmann, Investitionsbank, Minister Jost de Jager, Wirtschaftsministerium, Monika Evert, Investitionsbank, Dr. Gerd-Rüdiger Steffen, MBG, Ove Lange, Anthon GmbH (v.l.n.r.) 

Harald Haase, Wirtschaftsministerium, Hans-Peter Petersen, Bürgschaftsbank, Lutz Koopmann, Investitionsbank, Minister Jost de Jager, Wirtschaftsministerium, Monika Evert, Investitionsbank, Dr. Gerd-Rüdiger Steffen, MBG, Ove Lange, Anthon GmbH (v.l.n.r.)

 

 

 

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